Der Krieg in der Straße von Hormus macht die gefährliche Abhängigkeit der Menschheit von strategischen Nadelöhren sichtbar

Edwin Benson

Wenn es eine Lehre aus dem Krieg im Iran gibt, dann diese: Lieferketten sind verwundbar und fragil. Es gibt bestimmte geografische Nadelöhre, deren Ausfall die Weltwirtschaft zum Erliegen bringen kann.

Die Straße von Hormus wurde plötzlich für alle zu einem Grund zur Sorge. Erschwerend kommt hinzu, dass die moderne Wirtschaft geradezu darauf aufgebaut ist, solche empfindlichen Engpässe zu schaffen.

Ein riesiges, aber fragiles Netzwerk

In einem kürzlich erschienenen Beitrag in der Washington Post erläuterte der Lebensmittelingenieur Mark Gee die Bedeutung der Straße von Hormus als zentrale Transportroute für Düngemittel. Er machte eine Aussage, die jeden, der Lebensmittel konsumiert, aufhorchen lassen sollte.

„Das moderne Agrarsystem ernährt acht Milliarden Menschen und ist erstaunlich produktiv. Zugleich ist es jedoch alarmierend fragil. Jahrzehntelange Optimierung auf Effizienz hat dazu geführt, dass die weltweite Lebensmittelversorgung von einer kleinen Zahl von Transportrouten, Unternehmen und Vorprodukten abhängig geworden ist.“ Anschließend beschrieb er die gefährliche Lage, an der letztlich alle beteiligt sind: „Im Jahr 2017 identifizierte die britische Denkfabrik Chatham House 14 Handels-Nadelöhre, über die mehr als die Hälfte des weltweiten Getreide- und Düngemittelhandels abgewickelt wird. Nahezu alle von ihnen waren seit der Jahrhundertwende von einer schwerwiegenden Störung betroffen.“

Viele Menschen werden sich fragen: „Was ist ein Nadelöhr?“ Der Bericht von Chatham House, auf den sich Herr Gee bezieht, liefert eine treffende Arbeitsdefinition:

„Kritische Knotenpunkte auf Transportwegen, über die außergewöhnlich große Handelsvolumina abgewickelt werden.“

Der Bericht erläutert, dass es drei Arten von Nadelöhren gibt, die die Lebensmittelversorgung beeinflussen. Die erste Gruppe umfasst enge Wasserstraßen. Dazu gehören die Straße von Hormus, der Panama- und der Suezkanal, der Ärmelkanal bei Dover, die Straße von Gibraltar, die Dardanellen in der Türkei, die Meerenge Bab al-Mandab zwischen der Arabischen Halbinsel und Afrika sowie die Straße von Malakka zwischen Indonesien und Malaysia.

Die zweite Gruppe bilden bedeutende Küstenhäfen an der Golfküste Nordamerikas, am Schwarzen Meer und an der Küste Brasiliens. Zur dritten Gruppe gehören die Transportnetze in den USA, in Brasilien und im Raum des Schwarzen Meeres.

Wird auch nur eines dieser Nadelöhre blockiert, kommen Teile der weltweiten Lebensmittelversorgung zum Stillstand – so wie man es zuletzt bei Öl und Düngemitteln beobachten konnte, die nicht mehr durch die Straße von Hormus transportiert werden konnten.

Nadelöhre beschränken sich jedoch nicht auf die Lebensmittelversorgung. Sie können auch bei Industriegütern entstehen, wenn deren Herstellung auf wenige Schlüsselstaaten konzentriert ist und dadurch Lieferketten unterbrochen werden können. Die Panik um Beatmungsgeräte zu Beginn der COVID-19-Pandemie machte diese Verwundbarkeit deutlich. China war damals praktisch der einzige Lieferant und exportierte aufgrund des eigenen Bedarfs keine Geräte mehr.

Ein weiteres Beispiel ist die dominierende Stellung Taiwans bei der Herstellung von Halbleitern. Viele befürchten zu Recht einen weltweiten Chipmangel, sollte China Taiwan angreifen. Ähnliche Beispiele finden sich in nahezu allen Industriezweigen.

Unnötige Beschränkungen

Solche Nadelöhre entstehen, weil Volkswirtschaften auf maximale Effizienz und möglichst niedrige Kosten ausgerichtet werden. Die Folge ist, dass Alternativen eingeschränkt werden und Materialien sowie Transportleistungen dort eingekauft werden, wo sie am billigsten sind. Häufig bedeutet dies, Rohstoffe und Vorprodukte von der anderen Seite der Welt zu beziehen, anstatt regionale Ressourcen zu entwickeln. Zudem können Lieferanten durch niedrige Preise eine marktbeherrschende Stellung erlangen und später die Verkaufsbedingungen zu ihren Gunsten diktieren.

Eine solche Optimierung berücksichtigt weder Naturkatastrophen noch politische Krisen, die Volkswirtschaften lahmlegen und Märkte kurzfristig zum Stillstand bringen können – ohne dass es jemanden gäbe, der die entstehenden Ausfälle auffangen könnte.

Unberechenbare Versorgung

In seinem Buch „Rückkehr zur Ordnung“ geht John Horvat auf dieses Problem ein:

„Diese gewaltigen Netzwerke sind fragil, weil wir sie selbst so unverzichtbar und so komplex gemacht haben. Jeder ist vollständig von ihnen abhängig. Alles ist so eng miteinander verflochten, so eng gekoppelt und bewegt sich mit einer solchen Geschwindigkeit, dass kaum noch Spielraum für Fehler bleibt. Schon die geringste Fehlanpassung, eine Naturkatastrophe, menschliches Versagen oder eine sozialistische Regulierung kann schwerwiegende Auswirkungen auf das gesamte System haben. Auf diese Weise haben wir eine Welt verwundbarer neuralgischer Nadelöhre geschaffen – von geografischen Meerengen über Öl-Lieferketten bis hin zu Internetservern und Stromnetzen.

Je komplexer die geschaffenen Systeme werden, desto unberechenbarer wird zudem das Leben. Die Zahl unbeabsichtigter Folgen vervielfacht sich, und selbst die Technologien, die zu ihrer Bewältigung eingesetzt werden, reichen schließlich nicht mehr aus.“

Weniger Wahlmöglichkeiten

Das Problem der modernen Wirtschaft besteht darin, dass sie in einer von Menschen geprägten Welt ein nahezu maschinenartiges System geschaffen hat. Für unerwartete Krisen, die inzwischen immer häufiger auftreten, bleibt darin kaum noch Raum.

Die moderne Wirtschaft rühmt sich, den Verbrauchern eine große Vielfalt an Auswahlmöglichkeiten zu bieten. Tatsächlich hat sie jedoch im Streben nach maximaler Effizienz die Auswahl bei Transportwegen und Produktionsnetzwerken immer weiter eingeschränkt – und damit eine gefährlich fragile Wirtschaftsstruktur geschaffen.

Notwendig ist es, die Zukunft wieder selbst in die Hand zu nehmen, indem wirtschaftliche Entscheidungen neu überdacht und stärker auf alternative, regionale oder leichter zugängliche Lösungen ausgerichtet werden. Die gegenwärtigen weltweiten Krisen zwingen die Staaten inzwischen dazu, solche Maßnahmen in Betracht zu ziehen. Derartige Alternativen würden die Wirtschaft menschlicher und weniger maschinenhaft machen.

Gott hat der Menschheit zahlreiche Möglichkeiten und eine große schöpferische Fähigkeit geschenkt. Deshalb gilt es, neue Wege zu erschließen. Nicht jeder muss der Masse folgen und sich durch die strategischen Nadelöhre der Welt bewegen.