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Der hl. Klemens Maria Hofbauer: „Säule der Kirche“ im XIX. Jahrhundert – Teil III

Die Vertreibung aus Warschau

Im Jahre 1807 wurde den Redemptoristen befohlen, bayerisches Gebiet zu verlassen. Obwohl der hl. Klemens Maria viele Enttäuschungen erleben musste, war es für ihn ein enormer Trost, dass im Jahr der schrecklichen Verfolgungen keines seiner geistlichen Kinder seiner Berufung untreu war.

Der aus Bayern vertriebene Heilige bereitete sich auf seine Rückkehr nach Warschau vor, als ein Krieg zwischen Frankreich und Preußen ausbrach. Nach dem Sieg Napoleons nahmen Hass und Verfolgung auf Priester zu. Die Sektierer der Esoterik und Aufklärung in Warschau freuten sich über diese Entwicklung. Es gab heftige Angriffe auf die Kirche St. Benno.

Trotz grausamer öffentlicher Verachtung und Verfolgung besuchten die Menschen weiterhin die Kirche der Redemptoristen, in der großartige Bekehrungen stattfanden. Die Freimaurer untersagten den Priestern, über Sünden, Laster usw. zu predigen, was die Redemptoristen in keiner Weise akzeptierten.

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Die Reise nach Kanada war aufgrund der Umstände unmöglich geworden. In Warschau wurde die Lage zusehends schlimmer. Die Vertreibung der Redemptoristen und die Zerstörung des Klosters St. Benno sind direkt auf die aufklärerischen und esoterischen Sekten in Warschau und indirekt auf die Aktivitäten der Kongregation in Babenhausen zurückzuführen.

Als der Militärkommandeur von Warschau von den falschen Beschuldigungen und Verleumdungen über die Redemptoristen erfuhr, wonach sich die Redemptoristen „gegen den öffentlichen Frieden auflehnen und sie sich der Regierung und den Geistlichen entfremden würden“, wurden sie angeklagt. Napoleon ließ sie per Dekret des Landes verweisen

Die Kommissare forderten die Warschauer Geistlichen und Studenten auf, sich ein für alle Mal von den Priestern zu trennen und nach Hause zurückzukehren. Nur ein einziger war seiner Berufung untreu, während alle anderen ihr Schicksal mit den ins Exil gehenden Priester teilten. Die Gemeinschaft St. Benno hatte damals vierzig Mitglieder, von denen zwanzig Priester und zwanzig Studenten oder Laienbrüder waren. Ein schwerer Schlag für den hl. Klemens Maria! Er umarmte seine Brüder, denn viele von ihnen würde er nicht mehr sehen.

Der Apostel von Wien

Der heilige Klemens Maria ging wieder nach Wien. Ein Geistlicher und ein Bruder, beide Österreicher und aus den aufgelösten Gemeinden, begleiteten ihm. Als ein von Gott gesandter Arzt würde er schon bald der Kirche in Österreich, die noch unter den Joch des Josephinismus

litt, neue Kraft verleihen.

Die Wiener Katholiken waren schon bald von den Heiligen begeistert. Das Volk lobte diesen Priester, der in seiner Gestalt, besonders in Momenten des Gebetes, etwas Außergewöhnliches und Göttliches zum Leuchten brachte. Er genoss nicht nur bei den Armen und Kranken, um die er sich liebend kümmerte, hohes Ansehen, er beeinflusste auch große Persönlichkeiten seiner Zeit.

Kinder, Jugendliche und Erwachsene aller Lebenslagen suchten ihn auf, wenn er über Gott und Religion sprach. Eine der bedeutendsten Persönlichkeiten des Wiener Adels, die junge Gräfin Julia Zichy, war treues Beichtkind von Klemens Maria Hofbauer. Als sie im Alter von 26 Jahren starb, stand der Heilige ihr bei.

Der Heilige sprach mit seiner natürlichen Art, die dem aufgeklärt-rationalistischen Zeitgeist des Josephinismus widersprach, die Menschenmassen an. Das brachte ihm den Beinamen „Apostel von Wien“ ein aber auch die Aufmerksamkeit der Staatspolizei, die ihn bespitzelte.

Die Universität Wien stand im Mittelpunkt der intellektuellen Aufklärung: Katholisch zu sein bedeutete, den Ketzern den Todesstoß zu versetzen. Der heilige Klemens Maria wurde beschuldigt, die Köpfe der Studenten –  mit denen er sich oft in seiner kleinen Wohnung zu religiösen Abendzusammenkünften traf – umgedreht zu haben.

In den folgenden Monaten blieb der Heilige unter polizeilicher Überwachung. Obwohl er sich davon nicht einschüchtern ließ, fand es der hl. Klemens Maria klüger, auf der Hut zu sein.

Selbst der Klerus hatte ein Auge auf ihm geworfen.

Niemand besaß jedoch den Mut, offen gegen den Heiligen vorzugehen, da er auch Zugang zu hohen kulturellen und politischen Kreisen der Stadt hatte. 

Ein weiser Prediger

In Österreich war der heilige Klemens Maria mit vielen Priestern bekannt. Stets hinterließ der Seelsorger mit dem Herzen eines Vollblutmissionars einen unvergesslichen Eindruck. Es gab niemanden, der das Licht im Heiligen nicht sah.

Angezogen von der Schönheit der Musik und der Liturgie kamen auch Protestanten in die Ursulinenkirche, in der der heilige Klemens Maria die Stelle des Kaplans und Beichtvaters innehatte. Viele bekehrten sich, als sie die gelehrten Predigten des Heiligen hörten. Auch zahlreiche Juden meldeten sich zur Taufe. Sogar Freidenker, die eigentlich zum Zweck der Verhöhnung die Kirche aufsuchten, wurden vom Heiligen erobert.

Obwohl die Polizei ihn immer wieder bespitzelte und die gottlosen Herrscher sich über ihm brüskierten, verurteilte er auf der Kanzel die Ideen der Aufklärung. Er versuchte der Bevölkerung die Lügen dieser neuen philosophischen und die Gesellschaft beeinflussende Strömung aufzuzeigen, um die Menschen zum wahren Glauben und zur wahren Freiheit zurückzuführen.

Es ist daher nicht verwunderlich, dass eine große Anzahl von Menschen ihre zügellosen Gewohnheiten aufgaben und Partei für Gott und Tugend ergriffen.

Der Heilige „elektrisierte“ wie kein anderer Prediger. Er kannte das Geheimnis, Seelen zu erobern und sie mit einer übernatürlichen Salbung zu füllen. Selbst die Gelehrtesten sagten: „Ein Wort aus seinem Mund reicht uns für die ganze Woche.“

Die Predigten des Heiligen erzeugten eine explosive Wirkung. Die heilige Eucharistie, die Andacht zur hl. Jungfrau Maria und zu Heiligen, die Beichte, der Ablass, das Fegefeuer, die Hölle und der Teufel waren Dinge, die der vorherrschende Josephinismus verboten hatte. Über diese Wahrheiten predigte der Heilige Klemens Maria mit größter Klarheit und Festigkeit von der Kanzel. Wer seine Predigten hörte, war nicht nur zufrieden, er kehrte verändert nach Hause zurück.

Die Predigten des hl. Klemens Maria waren den Anhängern des Josephinismus und der österreichischen Polizei schon bald ein Dorn im Auge. Sie befürchteten, dass die Österreicher zu Ultramontanen  (das heißt dem Papsttum treu bleiben) werden und dem Papst mehr gehorchen würden als dem Kaiser. Ein Polizeibefehl von 1816 untersagte dem Heiligen das Predigen. Das Volk reagierte jedoch so heftig, dass die Regierung dieses Verbot aufheben musste.

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