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Der „aufgeklärte Despotismus“ des neuen Jahrtausends: die Diktatur der „Spezialisten“

José Antonio Ureta

Der Trend begann vor einigen Jahrzehnten. Zuerst waren es die Richter in Strafsachen, die, anstatt sich selbst über den Grad der Verantwortung des Angeklagten oder die Glaubwürdigkeit der Zeugen zu informieren, die Psychologen um Gutachten zu Rate zogen, zur eigenen Absicherung. Dann kamen die Politiker, die, um zu handeln, die Berichterstattung in den technischen Berichten von Spezialisten für jede Angelegenheit suchten. Nun, heute sind es die Techniker, die die Welt führen.

Nehmen wir zum Beispiel die umstrittenen Ausgangssperren, die 2/3 der Menschheit auferlegt wurden, um die Ausbreitung des „chinesischen Virus“ zu verhindern, das für Atemversagen und Todesfälle an Covid-19 verantwortlich ist.

Praktisch alle Regierungen haben Teams von Epidemiologen und Virologen zusammengestellt, um sich beraten zu lassen. In Wirklichkeit haben diese Teams jedoch – weit über ihre bloße beratende Rolle hinausgehend – Maßnahmen der Regierung „pilotiert“ und ihre Hinweise auferlegt, was durch die Tatsache erleichtert wurde, dass die öffentliche Meinung zuvor durch Nachrichten beeinflusst, die schnell über Sensationsmedien verbreitet und aufgebauscht wurden, mit dem Ziel, Panik über die Virulenz der Epidemie und die Sterblichkeit des Virus zu erzeugen.

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Mitte Februar, als beispielsweise Sars-Cov-2 von China nach Italien migrierte, sagte die italienisch-amerikanische Wissenschaftlerin Ira Longini, eine der Beraterinnen der WGO, in einer Pressekonferenz, dass das Virus 66 Prozent der 7,7 Milliarden Einwohner des Planeten infizieren würde, von denen 45-50 Millionen Menschen auf allen Kontinenten sterben würden (basierend auf statistischen Daten der chinesischen Behörden). Ausgehend von Nachrichten der Agentur Bloomberg berichteten Dutzende von Medien und Tausende von Internetseiten, dass das neue Coronavirus 2/3 der Menschheit infizieren könnte usw.

Eine Woche später veröffentlichte die medizinische Fakultät des Imperial College London eine Prognose von einer halben Million Todesfällen in Großbritannien und über zwei Millionen in den Vereinigten Staaten, da es sich um ein Virus handele, „dessen Sterblichkeit mit der von der H1N1-Grippe von 1918 vergleichbar war“, d.h. die „spanischen“ Grippe, die nur den spanischen Namen trug, weil sie aus dem Osten stammte. Da diese Grippepandemie zwischen 50 und 100 Millionen Menschen getötet hat, würde sie heute, angesichts des zwischenzeitlichen Bevölkerungswachstums, über 200 Millionen Todesfälle verursachen. Aus diesem Grund „empfahl“ das Imperial College eine strenge Ausgangssperre der Bevölkerung (Lockdown).

Wenn nun einmal diese Projektionen von den Medien veröffentlicht worden wären, mit dem darauffolgenden Schreck der Bevölkerung, welcher politische Führer oder welche Regierung hätte den Mut gehabt, der Bevölkerung de Lockdown nicht anzuordnen, um in naher Zukunft die Anklage des Genozids zu riskieren?

Anscheinend kümmerte es niemanden, dass gleichzeitig andere Spezialisten, die genau so oder qualifizierter waren als die Experten der WGO oder des Imperial College, diese Projektionen als übertrieben betrachteten und dem Vorschlag einer vollständigen Sperrung nicht zustimmten. Isolierte Stimmen sind einfach ungehört geblieben, wie die von Dr. Hendrik Streeck, der Virologe, der wahrscheinlich die meisten Patienten in Deutschland gesehen hat, der der führenden Zeitung des Landes, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, ein Interview gegeben hat, und sagte, Sars-Cov-2 sei nicht so gefährlich wie überall gesagt. Oder die Stimme von Dr. Pablo Goldschmidt, einem angesehenen argentinischen Virologen, der 40 Jahre lang in einem der Hauptkrankenhäuser in Paris gearbeitet hat: Goldschmidt verurteilte eine echte Paranoia und erklärte die ergriffenen Maßnahmen für ungerechtfertigt. Er nahm hypothetisch an, dass häufigen Todesfälle in der Lombardei (Region, in der die Epidemie in Europa begann) zurückgehen könnten auf die hohe Konzentration von Asbestverseuchten Industrien und Gebäuden, was in der älteren Bevölkerung zu einer sehr hohen Inzidenz latenter Lungenmängel geführt haben könnte (insbesondere in Mailand und Bergamo), Daten, die nicht in andere Gebiete übertragen werden können.

Die Panik war in der öffentlichen Meinung der Welt bereits so weit verbreitet, dass kein Regierungschef zurückruderte, als der Teamleiter des Imperial College, Prof. Ferguson, arglos in einem Tweet gestand, dass das angewendete mathematische Modell, um Kontrollmaßnahmen gegen Covid-19 zu projizieren, vor über 13 Jahren entstand, geschrieben in der Programmiersprache C (einer äußerst anfälligen Sprache), die „Tausende von undokumentierten Zeilen“ enthält, was eine externe Überprüfung (!) fast unmöglich macht.

Nach der Entdeckung, dass Ferguson die Sperrmaßnahmen übertreten hatte, indem er zweimal zu Hause seine Geliebte, „eine Umweltaktivistin“, empfing, berichtete der Londoner Korrespondent der Corriere della Sera, einer Zeitung, die der totalen Sperrung nicht abgeneigt war, am 7. Mai über de Professor des Imperial College: „Natürlich hat er wirklich alles falsch gemacht, der Professor Neil Ferguson (…). Es ist nicht das erste Mal, dass Ferguson einen groben Fehler macht. Er ist der Experte, der Boris Johnson im März Angst machte und sagte, dass Großbritannien ohne drastische Maßnahmen eine halbe Million Todesfälle durch Coronaviren erleiden würde (…). Ferguson ist kein Neuling in apokalyptischen Vorhersagen, die sich in der Vergangenheit immer als unbegründet erwiesen haben.“

Und tatsächlich enthüllt die renommierteste italienische Zeitung einige der Perlen, die das akademische Profil von Prof. Ferguson schmücken: „Im Jahr 2001, inmitten einer Rinderwahnsinnsepidemie, erstellte der Professor eine Studie, nach der er voraussagte, dass die Krankheit 50.000 Menschen töten würde. Auf diese Weise überzeugte er die Regierung von Tony Blair, mehr als sechs Millionen Zuchttiere unter ihnen Kühe, Schafe und Schweine zu massakrieren, und nicht nur die Infizierten, sondern auch alle von den umliegenden Bauernhöfen. Doch in einem Bericht von 2011 wurden Ferguson „schwerwiegende Fehler“ vorgeworfen, weil er die Zusammensetzung der Tierbestände der Höfe und die Tatsache, dass die Krankheit einige Arten stärker als andere betraf, ignoriert habe. Doch in der Zwischenzeit beliefen sich die wirtschaftlichen Schäden auf 10 Milliarden Pfund. Und der „Rinderwahn“ hatte nur 177 Opfer gebracht. Im Jahr 2005 erhöhte der Virologe die Dosis und behauptete, dass die Vogelgrippe weltweit 200 Millionen Menschen töten würde: Am Ende gab es nur 282 Tote. Im Jahr 2009 behauptete eine Schätzung der Londoner Regierung auf der Grundlage von Fergusons Ansichten, dass in Großbritannien die Schweinegrippe würde 65.000 Einwohner in die andere Welt befördern: Die Todesfälle endeten bei 457. In den letzten Wochen hatte der Professor gewarnt, dass Schweden wegen der hartnäckigen Weigerung, den Lockdown zu verhängen, einer Hekatombe ausgesetzt sein würde: doch in der Zwischenzeit geht es den Schweden weiterhin sehr gut.“

Schlimmer noch, keine Regierung hat die Termine zur Lockerung des Lockdown der Bevölkerung vorgezogen, nachdem das Virologische Institut der Universität Bonn die zuvor SARS-CoV-2 zugeschriebene Letalität aufgrund einer gründlichen Studie im Dorf Gangelt (das „Wuhan von Deutschland“) offiziell bestritten hatte: Untersuchungen zeigten, dass die Infektionsrate in der Bevölkerung 15% und die Sterblichkeitsrate nur 0,37% betrug, was fünfmal niedriger ist als die moderaten Prognosen der John Hopkins University für das Land geplant hatte.

Noch absurder ist die Tatsache, dass die „Task Forces“ von Experten, die die Phasen für die schrittweise Befreiung der Bevölkerung planen, die Wiedereröffnung von Handel, Straßenmärkten, kleinen Museen usw. gut überlegt, aber den Neustart der kirchlichen liturgischen Feierlichkeiten auf das Maximum verschoben haben, selbst wenn religiöse Autoritäten an bestimmten Orten versicherten, dass die Regel des „persönlichen Abstands“ eingehalten würde. Obwohl diese Experten wahrscheinlich keine Religion praktizieren, scheinen sie die Größe der Kirchen, die Anzahl der Personen, die normalerweise an den Gottesdiensten teilnehmen, den Grad der Verantwortung, die sie für die Einhaltung der Regeln haben usw., besser zu kennen als der Pfarrer.

Die Vorraussetzung der „Expertokratie“ ist, dass nur die Wissenschaft in der Lage wäre, Krisensituationen zu bewerten und geeignete Lösungen vorzuschlagen, ohne die Tatsache zu berücksichtigen, dass dies neue Herausforderungen sind, von denen nur sehr wenig bekannt ist und unter denen kein Wissenschaftler Konsens besteht.

Darüber hinaus berücksichtigt die Experten-Diktatur nicht die Tatsache, dass Wissenschaftler in einem bestimmten Bereich Probleme sehen und Lösungen aus einem begrenzten Blickwinkel vorschlagen und dass ihre Analysen und Vorschläge häufig im Widerspruch zu denen stehen, die von Wissenschaftlern aus anderen Bereichen vertreten werden.

Dies wurde in der durch das Coronavirus ausgelösten Krise deutlich. Es ist offensichtlich, dass es besser ist, so viel wie möglich zu isolieren, um die Expansion des Virus (unabhängig von seiner Ansteckungsgefahr und Letalität) zu verlangsamen. Es ist jedoch ebenso offensichtlich, dass niemand arbeiten kann, wenn die gesamte Bevölkerung über einen längeren Zeitraum weggesperrt ist. Dies führt zu einem wirtschaftlichen Ruin, der einen Teufelskreis aus Elend und sich verschlechternder Gesundheit auslöst. Ein Ökonom zieht es vor, dass trotz des Risikos einer Ausbreitung der Infektion niemand aufhört zu arbeiten. Stattdessen zieht es ein Epidemiologe vor, dass die ganze Welt trotz des künftigen Risikos einer wirtschaftlichen und sozialen Katastrophe unter Hausarrest gestellt werden soll.

Wer ist für die Entscheidung verantwortlich? Dies ist genau die Rolle der Behörde, die das Gemeinwohl überwachen und versuchen muss, widersprüchliche Interessen in Einklang zu bringen. Und in modernen Demokratien, in denen es zu einer Gewaltenteilung kommt, liegt dies speziell bei der Exekutive. Es liegt an ihr, Maßnahmen zu ergreifen, um das größere Gute zu fördern oder zumindest das größere Übel zu verhindern. Zu diesem Zweck muss sich die öffentliche Hand von Vorsicht leiten lassen – eine Tugend, die über bloße wissenschaftliche Erkenntnisse hinausgeht – und muss eine strikte politische Rolle ausüben und allen Parteien zuhören.

Das Institut Plinio Corrêa de Oliveira hat zwei Dokumente veröffentlicht, die die Angelegenheit untersuchen und es verdienen, vollständig gelesen zu werden. Das jüngste (siehe hier) betrifft die Manipulation der Panik zur Förderung einer ideologischen Agenda und einer ökologischen, sozialistischen und globalistischen „neuen Normalität“; das erste zeigt, dass das katholische Konzept des Gemeinwohls das Gegenmittel zur ideologischen Manipulation der Coronavirus-Pandemie ist und die Lösung der Krise leiten sollte (siehe hier).

Was in keiner Weise passieren darf, ist eine widerrechtliche Übernahme der Exekutivbefugnisse, sowohl durch eine Experten-„Technokratie“, die die Sympathie der Medien genießen, als auch durch die richterliche Gewalt, die sich anmaßt, das Recht zu haben, den Maßnahmen der Behörden zuvorzukommen, um als angemessen gehaltene Vorkehrungen Durchzusetzen, wie es in der Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaat Maranhão und in einigen Nachbargemeinden geschehen ist, wo der Gouverneur mit einem Tweet erklärte, dass er die Gerichtsentscheidung übernehmen werde.

Unter dem Vorwand, ein Virus zu bekämpfen, kehren wir zum Regime des „aufgeklärten Despotismus“ zurück, das in Kontinentaleuropa in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts vorherrschte, basierend auf dem Slogan „Alles für das Volk, aber ohne das Volk“, das als Ignorant angesehen wurde.

Wie sein Vorfahr weist der neue aufgeklärte Despotismus der Expertenausschüsse eine deutlich antireligiöse Tendenz auf, was nicht überraschend ist, da der Materialismus heute eines der häufigsten ideologischen Vorurteile unter Wissenschaftlern ist.

Bild von Hans Braxmeier auf Pixabay

Quelle: r-gr.blogspot.com