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Der hl. Klemens Maria Hofbauer: “Säule der Kirche” im XIX. Jahrhundert – 2

Die Gründung der Oblaten Vereinigung

Der heilige Klemens Maria Hofbauer wollte – ähnlich wie der Dritte Orden des hl. Franz von Assisi – für seine Kongregation eine Vereinigung gründen, der Laien angehören konnten. Er gründete die Oblaten, unter denen sich tugendhafte Menschen beiderlei Geschlechts und aus allen Gesellschaftsschichten befanden. Ziel des hl. Klemens Maria war die Förderung und Unterstützung des Laienapostolats, die Verteidigung der Kirche, des Glaubens und der Moral sowie die persönliche Heiligung ihrer Mitglieder.

Der Heilige nutzte das Apostolat der Laien auch, um die katholische Lehre zu verbreiten und sie gegen die damals in ganz Europa verbreiteten Lehren der Aufklärer und Freimaurer zu verteidigen. In besonderer Weise widmete er sich der Verbreitung der Bücher des hl. Alphons Maria von Liguori, seines Ordensgründer.

Ein gescheiterter Gründungsversuch in der Schweiz

Im Winter 1797/98 reiste Klemens Maria Hofbauer in die Schweiz, nach Wollerau am Züricher See, mit der Absicht, dort ein  Kongregationshaus zu gründen. Das Vorhaben des Heiligen scheiterte durch die ausgebrochene Revolution und er musste das Land verlassen.

Auf dem Rückweg besuchte der hl. Klemens Maria Wien. Joseph II. war gestorben und Franz I., ein glühender Katholik und Feind der Aufklärung, regierte Österreich. Aber der Behördenapparat war noch vom Geist der Aufklärung durchdrungen. An den Universitäten wurden die Prinzipien des Josephinismus gelehrt, eine Einflussnahme von Bischöfen auf die Ausbildung von Theologen war weiterhin nicht erlaubt.

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Verachtung, Verleumdung und Drohungen gegen Redemptoristen in Warschau

Der wohl deutlichste Beweis für die Bekehrung vieler Menschen und für den guten Geist, der aus der Kirche von St. Benno hervorging, war der immer stärker aufkeimende Unmut, den die Warschauer Freidenker gegen die Redemptoristen hegten. Die Freidenker fühlten sich durch deren Einfluss in der Stadt ernsthaft bedroht.

Im Jahr 1800 schrieb der heilige Klemens Maria Hofbauer: “Die Jakobiner verbreiten alle Arten von Lügen über uns. Wir werden in öffentlichen Theatern verhöhnt, selbst der Klerus ist gegen uns, mit Ausnahme des Bischofs und einiger Kanoniker. Wir werden offenkundig an den Galgen gebracht”.

Die Gegner der Redemptoristen setzten alle gebräuchlichen Mittel gegen den religiösen Orden ein: Verachtung, Verleumdung, Drohung. Die Kirche von St. Benno wurde den Bewohner der Stadt als eine Quelle der Unordnung und des Missbrauchs präsentiert: die Redemptoristen würden Zwietracht in den Familien verbreiteten, häusliche Pflichten vernachlässigen, Diebe aussenden, um kostbare Gegenstände und Güter aus den Kirchen zu plündern, usw.

Während jene, die ihm verehrten, seine Soutane und Füße küssten, richteten sich die Gegner mit tiefstem Hass gegen ihn und warfen Stöcke und Steine nach ihm.

Als der Heilige später auf diese Ereignisse in Warschau zurückblickte, sagte er: “Einige warfen sich vor mir nieder, um meine Füße zu küssen, andere bedeckten mich mit Schlamm. Die einen übertrieben die Ehrenzeichen, die anderen die Verachtung” …

 

Apostolat in Deutschland

Im Jahre 1802 verließ der Heilige gemeinsam mit Pater Thaddäus Hübl Warschau. Sie gingen zu Fuß nach Deutschland, um dort eine Kongregation zu gründen. Der hl. Klemens Maria gründet in Jestetten am Rhein, nahe Schaffhausen, die erste deutsche Niederlassung und ernannte Pater Passerat zum Rektor. Da ihm aber Fürst Schwarzenberg das in Aussicht gestellte Haus nicht gibt, muss er mit den Mitbrüdern in einem Teil des Klosters der Schwestern von der Ewigen Anbetung wohnen. Nach dieser Gründung kehrt der Heilige nach Warschau zurück.

Eine erneute Reise nach Deutschland führte ihm nach Triberg im Schwarzwald. Dort übernimmt er auf Bitten der Bürgerschaft die Wallfahrtsseelsorge beim Marienheiligtum “Maria in der Tanne”; es ist die zweite deutsche Niederlassung.

 

Vorwürfe gegen die Redemptoristen

Alle waren zufrieden, bis auf den Teufel. Dieser konnte die fruchtbare Entwicklung der Wallfahrtsseelsorge in der Stadt Triberg nicht ertragen. Die Wallfahrtsseelsorge beim Marienheiligtum “Maria in der Tanne“ war eine Oase des Glaubens und der Unschuld inmitten der Wüste von Gleichgültigkeit und Unglauben geworden.

Der Teufel benützte als Werkzeug seines Hasses die dort lebenden älteren und angesehenen Priester. Er säte Eifersucht in ihre Herzen und diese begannen die Vertreibung der Redemptoristen durch Verleumdung und Intrigen zu planen.

Sie schrieben an die kirchliche Kurie von Konstanz, an den Generalvikar Heinrich Ignaz Wessenberg und teilten diesen im Brief mit, dass die Redemptoristen in Triberg Fanatiker ohne Klugheit und Wissenschaft seien, die das Volk hypnotisieren.

Generalvikar Heinrich Ignaz Wessenberg, dessen Geist  von der Aufklärung durchdrungen war, erhob die Priester der Redemptoristen von ihren Ämtern. Die Priester wurden genötigt  – durch Entzug der Beichtjurisdiktion und Verbot der Zelebration – das Land zu verlassen.

Der hl. Klemens Maria musste mit ansehen, wie seine Hoffnungen zusammenbrachen. Er musste die gläubigen Katholiken von Triberg in den Händen von aufklärerischen Priestern zurücklassen.

 

 Napoleon als Bettler, Klemens Maria als Kaiser

Nachdem der Heilige aus der Diözese Konstanz verdrängt worden war, geht er nach Babenhausen nahe bei Augsburg, wo ihm Fürst Anselm Maria Fugger eine Wirkstätte als Seelsorger anbot. Der heilige Klemens Maria reiste mit einem Herzen voller Schmerzen: In Warschau wurden die Übergriffe auf das Apostolat der Redemptoristen – die Kirche St. Benno und das angeschlossene Kloster – immer bedrohlicher.

Als er nach Augsburg kam, war der siegreiche Napoleon Bonaparte dort. Was für ein Kontrast zwischen diesen beiden Charakteren! Der eine – stolz und siegreich – sah, wie Könige und Kaiser vor ihm zitterten. Der andere, demütig, verfolgt, unbekannt, verachtet, der von Stadt zu Stadt reiste, um nicht nach seiner Herrlichkeit, sondern nach der Herrlichkeit Jesu Christi zu suchen! Einige Zeit später stirbt der hl. Klemens Maria und wird wie ein Kaiser begraben, ein Jahr nach ihm stirbt Napoleon und wird wie ein Bettler im Exil auf der Insel St. Helena beerdigt. Das sind die unergründlichen Wege der Göttlichen Vorsehung …

Trotz aller Bemühungen konnte der hl. Klemens Maria in Babenhausen nur eine provisorische Unterkunft finden. Sie war so feucht, dass fast alle Ordensleute, die dort untergebracht waren, erkrankten. Wenige Monate später war es ihm möglich, ein geräumigeres Haus zu bekommen, das aber für so viele Menschen immer noch nicht ausreichte. Deshalb blieben einige im Nachbardorf Weinried.

 

Sie küssten den Boden, auf dem der Heilige vorbeiging

Der hl. Klemens Maria war gerade erst ein halbes Jahr in Babenhausen und schon zeigte die Stadt bereits einen völlig neuen Aspekt des Lebens: die Frömmigkeit und Ausübung christlicher Tugenden. Dieser spirituelle Fortschritt war nicht das Ergebnis einer vorübergehenden Begeisterung, die wie ein Strohfeuer schnell wieder erlischt, sondern real und nachhaltig. Die Bewohner von Weinried gruppierten sich um den Heiligen wie Kinder um ihren Vater. Sie widmeten ihm ihre aufrichtige Liebe und nicht selten brachten sie ihn, als sie seine große Armut sahen, das Notwendige für seinen Lebensunterhalt. Sie würdigten ihn als Heiligen und küssten den Boden, auf dem er vorbeiging.

 

Apostolat-Verbot in Bayern

Als das Fürstentum Babenhausen dem bayrischen König Maximilian Joseph zugesprochen wird, wird durch die neue Regierung unter Montgelas die Ausweisung der Redemptoristen angeordnet.

Zur gleichen Zeit erhielt der hl. Klemens Maria bittere Nachrichten aus der Kirche St. Benno in Warschau: er wird dort von den Gegnern der Kirche schwer verleumdet.

Der Heilige erkannte, dass er weder in Babenhausen noch in Warschau in Sicherheit war und stand vor der Frage: Wohin sollte er gehen?

Als er begriff, dass es nahezu unmöglich war, sich in Europa niederzulassen, plante er eine Reise nach Kanada, da er hoffte, dort in Freiheit wirken zu können. Er würde von dort Missionare senden, um Europa und den Osten zu christianisieren.

Foto: Gabriel Zeymer