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Esskultur: Warum gemeinsame Mahlzeiten für Kinder so wichtig sind

Christiane Jurczik

Gemeinsam Mahlzeiten mit Kindern sind wichtig weil es um mehr geht als um Nahrungsaufnahme geht. Sie sind ein Ritual, auch wenn der Alltag von Familien heute völlig anders ist als früher, wo sich die ganze Familie bei jedem Essen am Tisch versammelt hat.

Gemeinsame Mahlzeiten fördern gesunde Essgewohnheiten bei Kindern. Das ergab eine Metaanalyse von 57 Studien mit weltweit über 200.000 Probanden. Kinder, die regelmäßig gemeinsam und nicht im Alleingang essen, haben ein niedrigeres Risiko für Übergewicht. Durch Familienmahlzeiten entwickeln Kinder ein gesundes Gefühl für Portionsgrößen, stehen satt vom Tisch auf und essen zwischendurch weniger.

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Ein paar gute Gründe für Gemeinsamkeit am Esstisch:

  • Es ist ganz einfach: Menschen sind soziale Wesen und sind nicht gern allein. Das trifft besonders auf Kinder zu. In Gemeinschaft essen sie lieber und auch besser.
  • Essen ist mehr als die Aufnahme von Nahrung. Mehr als Hunger stillen, Durst löschen oder satt werden. Beim gemeinsamen Essen kommen andere wichtige Dinge auf den Tisch: Zuwendung, Freude, Gespräche, Genuss, Gemeinsamkeit, Geborgenheit, Sicherheit, Zusammenhalt usw.
  • Gemeinsame Mahlzeiten sind bestens geeignet für Kommunikation: Im Tagesverlauf geht jedes Familienmitglied seinen Aktivitäten nach, am Tisch kommen alle zusammen. Dann ist Zeit und Gelegenheit miteinander zu reden, die Erlebnisse des Tages zu erzählen, Pläne zu schmieden. Jeder hört, was die anderen erzählen, jeder kann zu Wort kommen.
  • Kleine Kinder kennen noch keine Uhr. Spiel, Schlaf und Essen wechseln sich ab. Gemeinsame Mahlzeiten mit einem oder beiden Eltern helfen, den Tag zu strukturieren und den Ablauf zu verstehen.
  • Der Rhythmus von gemeinsamen Mahlzeiten hilft Kindern ein gutes Gefühl für Hunger und Satt aufzubauen und zu regulieren. Esspausen entlasten auch den Magen und fördern Konzentration und Ausdauer.
  • Eltern und größere Geschwister sind Vorbilder für die Kleineren. Beim gemeinsamen Essen lernen Sie ein neues Gericht zu probieren so wie es der Vater gekocht hat. Oder etwas mit der Gabel auf zu spießen, so wie es die große Schwester macht.
  • Gemeinsame Mahlzeiten sind auch ein wichtiger Lernort über die Kultur und die Wertvorstellungen die Eltern haben: Was zu welcher Mahlzeit auf den Tisch kommt, wie das Essen geteilt und wie gegessen wird, dass man nicht immer als erster bedient wird, dass das eigene Lieblingsessen nicht allen schmeckt oder dass man Rücksicht aufeinander nehmen muss.
  • Wenn das Familienessen in einer angenehmen Atmosphäre verläuft, bekommen Kinder positive Esserlebnisse, erleben Spaß und Genuss und lernen so ein gesundes und stabiles Essverhalten aufzubauen.
  • Verschiedene Studien haben gezeigt, dass Kinder, die regelmäßig gemeinsam mit den Eltern essen, mehr Obst und Gemüse zu sich nehmen und insgesamt ein gesünderes Essverhalten haben. Auch für schulische Leistungen, eine gute seelische und körperliche Verfassung wurden Zusammenhänge mit regelmäßigen gemeinsamen Mahlzeiten in der Familie nachgewiesen.
  • Kinder, die gemeinsam mit den Eltern essen, haben ein geringeres Risiko für Übergewicht. Dies hängt auch. damit zusammen, dass beim gemeinsamen Essen mehr gesunde Lebensmittel gegessen werden und dass weniger Ungesundes zwischendurch gegessen wird.

Foto: Charles West Cope (1811-1890)  Privatsammlung / Photo Bonhams, London / The Bridgeman Art Library