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Stille Nacht, Heilige Nacht! Eine Meditation zur Weihnachtsnacht 1

Nelson Fragelli

Was fühlen wir in der Stille der Weihnachtsnacht, wenn dicht und unhörbar der Schnee fällt? Eine immense Stille. Eine tiefe Andacht. Heilige Nacht, in der jeder von uns der Stille nachspürt, die die Krippe und den Stall umgab, bei der Geburt Jesu … 

Stille … Stille … Stille, unterbrochen nur von Hirtenmusik. Es ist die Musik der Engel, die am Himmel erscheinen und den Hirten die Geburt des Gotteskindes verkünden.

Stille, Ruhe, Harmonie, Engel überall, alles ist im Gleichgewicht. Groß ist der Wunsch, dass diese Nacht niemals zu Ende gehen möge. Sie verkündet uns ein himmlisches Ereignis und weckt unsere Sehnsucht nach dem Himmel. Ein Gott wurde geboren. Er ist unter uns. Es muss nichts mehr geschehen. 

Von großer symbolischer Bedeutung war jener Seelenzustand – bedacht, engelhaft, übernatürlich, vertraut, innig, von großer Würde –, aus dem die Harmonie des Liedes „Stille Nacht“ hervorging. Die Worte passen perfekt zu der sanften, schönen Melodie: “Alles schläft, einsam wacht nur das traute hochheilige Paar”.

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Die allererste Weihnacht – eine heilige und stille Nacht. Alles schläft. Nur das ehrwürdige und hochheilige Paar ist wach. Die einfache Melodie drückt die Weihnachtsfreude aus, eine Freude, in der auch schon eine verhaltene Traurigkeit mitschwingt: vielleicht ein bisschen auch der Kummer um die Kälte und die Armut, in die das Jesuskind hineingeboren ist, vor allem aber die leise, noch kaum merkbare Vorahnung auf ein grausames Schicksal. Über dieser ersten Nacht des Erdenlebens unseres Erlösers liegt schon der Schatten des Kreuzes. Die einfache Melodie des Liedes deutet eine Wahrheit an, die wir uns selten bewusst machen: in jedem Augenblick seines irdischen Lebens, von Bethlehem bis Golgotha, war es Jesus immer gegenwärtig, dass er gekommen war, um zu leiden und zu sterben … für uns zu sterben. 

„Ruhe“ als Leitmotiv ist sowohl in der Melodie als auch im Text des Liedes stark präsent – eine himmlische Ruhe, wie sie in den mittelalterlichen Klöstern herrschte, in denen große Heilige beteten und meditierten. Diese Ruhe ist der Friede, der Tugenden und Heiligkeit hervorbringt. Sie ist kein leeres Nichtstun, sondern die Ruhe des Himmels, die wir erahnen können, wenn wir den Sternenhimmel betrachten. Wir können die Ruhe spüren, die uns die Melodie des Liedes „Stille Nacht“ vermittelt, eine himmlische Ruhe. …Durch der Engel Halleluja.

Die Melodie ist einfach und volkstümlich, aber gerade in dieser Einfachheit liegt eine große Tiefe. Glücklich ist die Nation – tu, felix Austria! -, in der alle Aspekte des Lebens der Menschen so vollständig von ihrer Kultur durchdrungen sind, dass ein einfacher Landpfarrer und der Lehrer einer Dorfschule ohne große Vorbereitungen einen Lobgesang auf die Geburt Jesu schreiben und komponieren können; der in seiner ganzen Schlichtheit von einem so tiefen Verständnis für das Geheimnis des Weihnachtsfestes geprägt ist, dass es selbst unter den größten Dichtern und Komponisten nur wenige gibt, die diesem Geheimnis näher gekommen sind als sie. Die Kultur eines Volkes misst sich nicht so sehr daran, wie viele berühmte Genies es hervorgebracht hat; ein wichtigerer und aussagekräftigerer Maßstab ist jedoch das Wissen jedes Einzelnen um die Bedeutung der christlichen Geheimnisse. Es ist dieses Wissen, das im Alltag Wunder vollbringt, auch wenn nicht jedes dieser kleinen Wunder eine so weltweite Verbreitung erfährt wie das Lied „Stille Nacht“. 

In manchen musikalischen Darstellungen des Liedes, die von einem Chor gesungen werden, wird am Ende die Melodie nur mehr gesummt. Man hat die Empfindung, dass in diesem Moment die Gottesmutter eine Decke über ihren schlafenden Sohn zieht. Das Kind schläft, Unsere Liebe Frau und der heilige Josef beten weiter. Es herrscht Ruhe, das Lied geht zu Ende … 

Nein, es ist noch nicht zu Ende. Es klingt weiter in unseren Seelen, in unserer Erinnerung. Und wir fühlen: Gott ist da! Jesus in Menschengestalt. (…)

 

Foto from Gerd Altmann by Pixabay

 

3 Comments

  1. Theresia Jasny

    Du Betlehem im Stamme Judäa, bist keineswegs die geringste unter den
    Fürstenstädte denn aus dir wird hervorgehen der sein Volk erretten soll!

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