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Evolutionismus: nur eine alte materialistische philosophische Theorie?

Luis Sérgio Solimeo

Viele versuchen, die Evolution als einen rein natürlichen Prozeß darzustellen, der die Entstehung des Universums erklärt, sind sich aber über die Folgerungen dieser Behauptung nicht im Klaren.

Sie wissen nicht, daß – zumindest in der Darwinischen Version – der Evolutionismus vor allem eine philosophische Lehre oder Annahme ist, die beweisen will, daß es für die Existenz eines geordneten Universums und intelligenten Lebens auf Erden keiner ordnenden Macht bedarf.

Ironischerweise geben die Evolutionisten nicht einmal eine Erklärung für die Entstehung des Universums. Ihre Studien befassen sich nicht mit der Schöpfung sondern behandeln nur einen Prozeß der Transformation, wobei angenommen wird, daß sich einfache vorhandene Elemente (Urstoffe) in komplexere verwandeln, die sich immer weiter entwickeln bis sie das Universum und Leben, wie wir es heute kennen, bilden.

Also, die Evolution bezieht sich nicht auf die Schöpfung sondern genau gesagt auf die Transformation, die die Schöpfung erfahren hat. Sie betrifft daher nicht den Akt der Schöpfung sondern den Prozeß der Transformation.

Ein Produkt des Zufalls

Die Kraft, die diese Verwandlung bewirkt, ist nichts anderes als bloßer Zufall, der vermutlich die Evolution so leitet, daß die Veränderungen immer die gleiche Richtung haben und in der Wirkung und Zielsetzung übereinstimmen. Das Universum in seiner geordneten, harmonischen Verflechtung ist das Ergebnis dieses evolutionären Prozesses und dasselbe gilt für die menschliche Intelligenz, die ebenfalls das Ergebnis einer endlosen Reihe von Zufällen ist.

Eine Zusammenfassung dieser Theorie wurde von 38 Nobelpreisträgern einschließlich mehrerer Wissenschaftler in einem Bericht, der die Darwinische Evolution verteidigt, dargelegt.

Am 9. September 2005 sandten sie einen Brief an das staatliche Kollegium für Bildung in Kansas mit folgendem Wortlaut:

Wir Nobelpreisträger wenden uns an das staatliche für Bildung zuständige Kollegium in Kansas mit dem dringenden Ersuchen, die Darwinische Evolution als den einzigen gültigen Lehrplan, der dem Standard der Wissenschaft entspricht, im Staate Kansas zuzulassen.

Dann definieren sie, was sie unter Darwinischer Evolution verstehen:

Evolution ist ein zielloser, ungeplanter Vorgang zufälliger Veränderung und natürlicher Selektion. (1)

Was normalerweise geschieht, hat nichts mit Zufall zu tun

Gott, den Schöpfer, mit bloßem Zufall zu ersetzen, ist nichts Neues. Das haben alle Materialisten im Laufe der Geschichte versucht.

Bereits im alten Griechenland stellten die Atomisten und Mechanisten (2) die Ursachen der Schöpfung als Zufall und Notwendigkeit dar.

Der griechische Philosoph Aristoteles (384-322 v.Chr.) widerlegte diese Theorien als er behauptete:

„Das kann unmöglich die wahre Auffassung sein. Denn Zähne und andere natürliche Dinge entwickeln sich in vorgegebener Weise und sind nicht das Ergebnis von Zufall oder eigenem Antrieb. Wir führen häufigen Regen im Winter nicht auf bloßen Zufall zurück, dagegen häufigen Regen im Sommer schon; (3) auch nicht die Hitze in den Hundstagen sondern nur heiße Tage, die wir vielleicht im Winter haben. Wenn also feststeht, daß Dinge entweder zufällig passieren oder ihnen ein Ziel und Plan zugrunde liegt, so ergibt sich daraus daß sie, wenn sie nicht aus Zufall oder eigenem Antrieb entstanden sein können, ein Ziel oder einen Zweck haben. Das müssen auch die Meister der uns vorliegenden Theorie anerkennen. Daher werden Dinge der natürlichen Welt nach Ziel und Plan geschaffen.“ (4)

Die Rolle der göttlichen Vorsehung

Der Heilige Thomas von Aquin, der größte aller christlichen Philosophen, beschäftigt sich in seinem Werk „Untersuchungen über die Wahrheit“ (De Veritate) ebenfalls mit dieser Streitfrage und fügt den von Aristoteles gemachten Aussagen den Begriff der göttlichen Vorsehung hinzu.

Seine Argumentation ist so klar und verständlich, daß wir sie hier mit kurzen Kommentaren wiedergeben. Der Heilige sagt:

„Einige Philosophen des Altertums stützten sich auf die Mechanismen der Materie. Da sie eine wirksame Kraft in Abrede stellten, konnten sie das Bestehen eines Planes nicht anerkennen, denn ein Plan entsteht durch eine wirksame Kraft.

Andere und spätere Philosophen gaben eine wirksame Kraft zu, sagten aber nichts über das endgültige Ziel. Laut beiden Schulen ist alles ein Ergebnis der Notwendigkeit, entstanden aus der Materie oder durch eine wirksame Kraft.

Diese Annahme wurde aber von anderen Philosophen aus folgenden Gründen kritisiert. Materie und wirksame Kraft allein haben kein inneres Ziel, das die eigene Existenz aufrechterhalten, Gutes bewirken und anderen helfen könnte. Feuer z.B. kann andere Dinge zerstören, aber diese Zerstörung ist nur bis zu einem bestimmten Grad und unter bestimmten Voraussetzungen gut und hilfreich. Also, wenn wir nicht anerkennen, daß es einen Geist gibt, der diese Kräfte steuert, können wir auch keine Erklärung für die Ordnung, die in der Natur herrscht, finden.“

Mit anderen Worten, Materie und Zufall sind in sich selbst nicht in der Lage, eine wesentliche Veränderung in einer bestimmten und geordneten Weise zu bewirken. Der Heilige sagt weiters:

Was keine feststellbare Ursache hat, geschieht zufällig. Wenn die vorerwähnten Aussagen stimmen würden, wären die Harmonie und alles Nützliche, das den Dingen innewohnt, das Ergebnis eines Zufalls. Das wurde auch von Empedocles (492-432 v.Chr.) angenommen. Er behauptete, daß einzelne Körperteile der Tiere sich zufällig auf Grund freundschaftlicher Gesinnung trafen und zusammensetzten, was häufig vorkam. Das war die Erklärung für die Entstehung der Tiere.

Diese Erklärung ist natürlich absurd, denn alles, was durch Zufall geschieht, geschieht selten. Wir wissen jedoch aus Erfahrung, daß Harmonie und Nützlichkeit in der Natur immer oder meistens vorherrschen. Das kann nicht das Ergebnis eines bloßen Zufalls sein sondern es muß einen Plan geben. Etwas, dem Verstand und Wissen fehlt, kann nicht ein bestimmtes Ziel haben. Es kann nur so geschehen, daß ein anderer, der dieses Wissen besitzt, ein Ziel gesetzt hat und es zu diesem Ziel führt.

Folglich, da natürliche Dinge keinen Verstand besitzen, muß es eine bereits existierende geistige Kraft geben, die sie zu einem Ziel führt wie ein Bogenschütze, der den Pfeil auf ein bestimmtes Ziel abschießt. Der Treffer, der erzielt wird, ist nicht das Werk des Bogens allein sondern auch das Werk der Person, die ihn abschoß. In ähnlicher Weise nennen die Philosophen jedes Werk der Natur als ein Werk geistiger Kraft.

Daher wird die Welt von der Vorsehung dieser geistigen Kraft geleitet, die die Ordnung in der Natur regelt; und wir können die Vorsehung, mit der Gott die Welt regiert mit der Fürsorge eines Mannes für seine Familie vergleichen oder mit der Voraussicht, mit der ein Politiker eine Stadt oder ein Land verwaltet und somit andere zu einem bestimmten Ziel führt.“ (5)

Materie, die seit ewig besteht und Zufall, der vorausschauend wirkt

Indem er versucht, die existierende, ewige, allmächtige und weise Ursache, Gott, den Urheber alles Seins auszuschließen, verwandelt der Darwinische Evolutionismus, vielleicht unbewusst, diese göttlichen Eigenschaften in Materie und Zufall.

Evolutionisten, die nicht bereit sind zuzugeben, daß jemand die Materie geschaffen hat, sehen die Materie in ihrer einfachsten Form, gasförmig oder atomisch, als etwas schon immer Bestehendes, nicht Geschaffenes und ausgestattet mit einem fast unerschöpflichen Potential. Sie brauchen den Zufall als Kraft, die vermutlich die Materie verändert. Zufall besitzt also die Eigenschaften eines intelligenten Wesens ähnlich dem Demiurg laut der gnostischen Lehre. (6)

Eine Rechtfertigung für Atheismus und Klassenkampf

Tatsächlich weist die Darwinische Evolution jede Vorstellung einer Zweckbestimmtheit im Universum von sich. Dadurch wird der Weg zum Atheismus geebnet.

So ist leicht zu verstehen, daß Darwin’s Buch „Der Ursprung der Sorte“ die volle Zustimmung von Karl Marx gefunden hat. In einem Brief vom 16. Jänner 1861 schrieb Marx an den Sozialistenführer Ferdinand Lassale:

„Bei Darwin’s Buch handelt es sich um ein bedeutendes Werk, das eine naturwissenschaftliche Basis für den Klassenkampf bietet. Natürlich muß man sich auf den schwerfälligen englischen Stil der Argumentation einstellen. Trotz aller Unzulänglichkeiten wird hier zum ersten Mal der „Teleologie“ in der Naturwissenschaft nicht nur ein Todesstoß versetzt sondern ihre rationale Bedeutung wird empirisch erklärt.“ (7)

Das Leugnen eines bestimmten Planes in der Ordnung der Natur macht es leicht, die gleiche Schlussfolgerung auch für die Politik zu ziehen. Marx kam diese Meinung sehr gelegen, denn wenn die Forschung in der Geschichte weder Sinn noch Zweck erkennen kann, dann könnte seine dialektische materialistische Theorie Verständnis finden.

Über die wissenschaftlichen Unzulänglichkeiten der Lehre Darwins wurde lange gestritten. Aber selten wurde der Sinn dieser Theorie, philosophisch betrachtet, untersucht. Tatsächlich werden aber durch den Darwinischen Evolutionismus nur die alten materialistischen Philosophien der Vergangenheit wieder aufgewärmt. Selten hat sich eine Lehre so gut in die philosophischen Irrtümer aller Zeiten eingefügt. Selten konnte sich der Materialismus unter einer so passenden dunklen Maske verbergen. Und darin liegt die Gefahr.

 

 

  1. back - Evolutionismus: nur eine alte materialistische philosophische Theorie?The Elie Wiesel Foundation For Humanity, Nobel Laureates Initiative, http://64.233.179.104/search?q=cache:cLOgl7T4Nw0J:media.ljworld.com/
    pdf/2005/09/15nobel_letter.pdf+NOBEL+LAUREATES+INITIATIVE
    &hl=en&gl=us&ct=cInk&cd=1
    .
  2. Lehren von Demokritus (Abdera, Thrakien 460-370 v.Chr.) und Epikur, die behaupten, daß die Materie aus Atomen, die sich zufällig zusammenfügen, Verbindungen und mechanischen Prozessen gebildet wird.
  3. Das Klima in Griechenland ist ein typisch mediterranes Klima: milde Winter mit viel Regen, warme und trockene Sommer und im allgemeinen lange sonnige Perioden fast das ganze Jahr hindurch (http://64.233.179.104/search?q=cache:YL0AApTQG4sJ:www.hnms.gr/hnms/
    english/meteorology/full_story_html%3F%26dr_url%3D%252Fdocs%252
    Fmisc%252FClimateOfGreece+greece+rain+period&hl=en&gl=us&ct=clnk&cd=1
    ).
  4. Physik,II,8-9. El Pais Madrid (1.Febr.2006) bringt einen neuen Artikel, der erklärt, was unter Zufall zu verstehen ist: „Im November letzten Jahres fand ein Gärtner, der im El Retiro Park in Madrid Bäume schnitt, ein Paket mit Geld, das hinter einem Baum versteckt war.“
  5. On Truth, question 5, art.2
  6. Die Gnostiker behaupten, daß der Demiurg das sichtbare Universum geschaffen und um dieses Ziel zu erreichen, die seit ewig bestehende Materie umgestaltet hat.
  7. Marx-Engels-Korrespondenz 1861, Marx an Ferdinand Lassale, in Berlin, Quelle: MECW, Band 41, Seite 245; Erste Veröffentlichung: in F. Lassale, Nachgelassene Briefe und Schriften, Stuttgart, 1922, MIA: Marxist Writers: Marx & Engels, (http://www.marxists.org/archive/marx/works/1861/letters/61_01_16.htm).

 

 

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