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Das „Judas-Evangelium“: der neue große Betrug

Luis Sérgio Solimeo

Mitgezogen von der gnostischen Welle, die vom Da Vinci Code in Bewegung gesetzt wurde und mit der gleichen Vorgangsweise, nämlich durch Sensationsmeldungen in den Medien moralisch und emotionell einen Schock auszulösen, ist es der National Geographic Society gelungen, ihr neues Produkt „Das Judas-Evangelium“ mit Erfolg zu verbreiten.

Die Vermarktung geschieht mit der gleichen Sprache wie im Roman von Dan Brown. Man verspricht, ein Geheimnis zu enthüllen, etwas aufzudecken (das von der Kirche absichtlich verheimlicht wurde), das die Geschichte der Menschheit vollkommen verändern kann.

Der Betrug im Roman von Dan Brown besteht darin, daß man eine Fiktion verwendet, um die Lehre der Gnosis zu verbreiten. Er bezeichnet die gnostischen Schriften als „die frühesten christlichen Aufzeichnungen“ und „die unveränderten Evangelien“ (1)

Das Evangelium, das Judas verfasst haben soll, wurde von einem Unbekannten ca.100 Jahre nach dem Selbstmord des Apostels geschrieben.

Während die Botschaft des Da Vinci Codes lautet, daß „fast alles, was uns unsere Väter über Christus gelehrt haben, falsch ist“, (2) bringt die National Geographic Society zum Ausdruck, daß „Judas weit davon entfernt ist, ein Bösewicht zu sein und stellt ihn [im Judas-Evangelium] als Held dar“. (3) Eine „authentische“ Erfindung einer Gruppe von Gnostikern.

Der Gelehrte Bruce Chilton beschreibt den Betrug des „Judas-Evangeliums“. Er sagt, daß während der Veröffentlichung National Geographic mehrmals betont hat, daß es sich um ein „beglaubigtes“ Dokument handelt, was auch von mehreren Presseagenturen wiederholt wurde.

„Authentisch“ kann aber auch zweifelhaft sein. Mr. Chilton weist darauf hin, daß kein Gelehrter, der mit diesem Fund im Zusammenhang steht, behauptet, daß dies ein Dokument aus dem 1.Jh. wäre bzw. daß es von Judas stammt. Er schreibt:

„Das veröffentlichte Dokument wurde ´in koptischer Sprache ungefähr 300 n.Chr.´ abgeschrieben, später sagte man dann ´sogar erst 400 n.Chr´. Daher können wir sagen, das ´Judas-Evangelium´ ist eine „authentische“ Erfindung einer Gruppe von Gnostikern aus Ägypten. Die Gnostiker glaubten, daß es ihnen ihre klare Erkenntnis des Himmels erlaubte, etwas zu verstehen, was kein anderer wusste oder aus der Geschichte wissen konnte. Denn alte Gnostiker glauben mit Begeisterung an ihre Fähigkeit zur Weissagung; ihre phantasievollen Gedanken als historisches Wissen an uns weiter zu geben, ist unehrlich und eine Selbsttäuschung“. (4)

Ein alter Hut als Neuigkeit präsentiert

Die gegenwärtige gnostische Offensive nützt die Tatsache, daß Gnostiker das Wort „Evangelium“ in vielen ihrer Schriften missbräuchlich verwendet haben, um den Eindruck zu vermitteln, daß sowohl kanonische als auch apokryphische (unechte) Aussagen von gleicher Bedeutung sind und daß das ganze Problem nur eine Uneinigkeit innerhalb des Christentums darstellt. (5)

J.P. Arendzen, ein Kenner des Gnostizismus, beschreibt dies wie folgt: „Als der Gnostizismus mit dem Christentum in Berührung kam, was sofort nach dessen Auftreten geschehen sein muß, stürzte sich der Gnostizismus ungeheuer schnell auf die christlichen Gedankengänge, übernahm seine Terminologie, bestätigte Jesus als den Retter der Welt, ahmte seine Sakramente nach, gab vor, eine geheime Offenbarung von Christus und seinen Aposteln zu sein, überflutete die Welt mit apokryphischen Evangelien, Handlungen und Offenbarungen, um seine Rechtmäßigkeit zu beweisen…. Die Kainiten besaßen ein „Judas-Evangelium“, eine „Himmelfahrt des Paulus“ (anabatikon Paulou) und einige andere Bücher, deren Titel wir nicht kennen, die aber laut Epiphanius viel Schlechtes enthalten. (6)

Die Existenz des ´Judas-Evangeliums´ und dessen Inhalt ist nichts Neues; es war schon den Kirchenvätern bekannt und anderen Schriftgelehrten wie St.Ireneus, St.Epiphanius und Tertulian zu Beginn des Christentums. (7)

Die gnostischen Heiligen : Kain und Judas

Das unechte ´Judas-Evangelium´ wurde von kainitischen Gnostikern ungefähr Mitte des 2.Jh. n.,Chr., also lange nach dem Selbstmord des Verräters geschrieben. Es stellt bloß die phantastische Lehre dieser Sekte dar. Kurz, die Kainiten behaupteten: Der Gott der Bibel ist ein untergeordneter und schlechter Gott, ein Demiurg, der die Welt und das moralische Gesetz erschuf;

  • um diesen Gott zu bekämpfen, soll der Mensch das moralische Gesetz nicht anerkennen und alle möglichen sündhaften Regelwidrigkeiten begehen;
  • der wahre Gott ist Sophia und steht über dem Gott der Bibel, der auch Hystera genannt wird;
  • Eva empfing Kain von Sophia, während Abel von Hystera gezeugt wurde; (8)
  • durch die Tötung Abels stellte Kain die Übermacht Sophias gegenüber Hystera dar;
  • der Demiurg versuchte, sich bei Cam, Dathan, Kore, Abiron und den Sodomiten zu rächen, aber diese wurden von dem guten Gott geschützt, der sie zu sich rief und den Retter sandte;
  • der Demiurg (Hystera) versuchte, den Retter an der Ausführung seines Werkes der Erlösung zu hindern, aber Judas Iskariot, der aus dem Stamm von Sophia kam und die tiefe religiöse Erkenntnis besaß, nahm Verbindung mit Kain auf und durchkreuzte die Pläne von Demiurg und lieferte Jesus dem Tode aus. (9)

Die Kainiten, schreibt G. Bareille, griffen die Bibel an, lehnten das Evangelium ab und ersetzten es mit apokryphischen Schriften wie „Das Judas-Evangelium“ …Eine solche Lehre hatte den Zweck, unstete Seelen und verführte Herzen zu vereinigen, aber sie blieben immer nur eine kleine Gruppe. Bereits am Anfang des 3.Jh. bezeichnet der Schriftgelehrte in Philosophumena die Kainiten als eine Gruppe ohne Bedeutung. (10)

Jesus: „im Geheimen habe ich nicht gesprochen“

Die Taktik, mit der die Gnostiker ihre irrationalen Lehren verteidigen, besteht darin, daß sie diese als ein geheimes Wissen darstellen, in das sie eingeweiht wurden. Wenn sie sich „Christen“ nennen, behaupten sie, den geheimen Verbindungen zu folgen, die Jesus, wie sie sagen, mit einigen Aposteln, Maria Magdalena oder, in diesem Fall, Judas hatte.

So verkündete der Erlöser angeblich zwei Lehren: eine, die den Jüngern gebot, Keuschheit zu üben sowie Nächstenliebe und Werke der Barmherzigkeit. Die andere war eine Geheimlehre, in der diese Gebote widerrufen wurden. Für das gewöhnliche Volk könnte das Glück auf Erden und die Erlösung nur auf dem mühsamen Weg des Kreuzes, der Demütigung und der Erniedrigung erreicht werden, während es einer Minorität „Auserwählter“ gestattet wäre, sich der Zügellosigkeit in Stolz und Sinnlichkeit hinzugeben.

Offensichtlich galten als Beispiele dieser Auserwählten niemand anderer als Kain und Judas: der Mörder seines Bruders und der Verräter seines Erlösers.

Unser Herr Jesus Christus selbst bezeichnet jedoch diese irrige und vernunftwidrige Vorstellung als falsch.

Nach dem verräterischen Kuß von Judas und der Gefangennahme von Jesus antwortete Jesus auf die Frage des jüdischen Hohen Priesters klar und deutlich: „Ich habe offen zur Welt gesprochen, ich habe immer in der Synagoge gelehrt und im Tempel, dort wo alle Juden zusammenkommen; und im Geheimen habe ich nicht gesprochen“. (11)

„Und Satan drang in Judas ein, dessen Beiname Iskariot war“

Es wäre eine Gotteslästerung anzunehmen, daß Jesus Christus Judas auswählte, um ihn zu verraten. Er nahm Judas als Apostel auf, das war seine Berufung. Zu der Zeit als er ausgewählt wurde, war Judas geeignet, dem Ruf zu folgen.

Es ist richtig, daß unser Herr, der unser Gott ist, alles wusste und er daher auch Kenntnis davon hatte, daß Judas nicht am Guten festhalten sondern den Weg der Tugend verlassen und ihn schließlich verraten würde. (12)

Jedoch, obwohl Gott weiß was geschehen wird, bestimmt dieses Wissen nicht das Geschehen, vor allem weil das Geschöpf frei und vernünftig entscheiden kann. Gott hat den Menschen einen freien Willen gegeben und zieht diese Entscheidung nicht zurück, selbst wenn der Mensch diese Gabe dazu benützt, Böses zu tun.

So ist es mit Judas geschehen. Unser Herr versuchte, ihm bis zum Schluß Gutes zu tun, indem er ihm vor dem letzten Abendmahl die Füße wusch und ihn seinen Freund nannte als er den Verräterkuß erhielt. Er hat jedoch Judas nicht davon abgehalten, diesen Verrat zu begehen. Die Evangelisten berichten, daß Judas vom Teufel aufgehetzt wurde, diesen Verrat an unserem Herrn zu begehen. „Und Satan drang in Judas ein, dessen Beiname Iskariot war, einer der 12. Und er ging und sprach mit den Hohen Priestern und den Beamten wie er ihn an sie verraten könnte“. „Der Teufel, der jetzt im Herzen von Judas Iskariot , dem Sohn von Simon, herrschte, veranlasste ihn, Jesus zu verraten“. (13)

Als unser Herr zu Judas sagte „das was du tun willst, tue rasch“ (14) war dies kein Befehl sondern eine Einwilligung. Gleichzeitig war es ein letzter Appell an das Gewissen von Judas als er sagte: Bist du wirklich fest entschlossen, mich zu verraten?

Als aber unser Herr die Härte im Herzen von Judas spürte, sagte er: „Es wäre besser für ihn gewesen, wenn er nicht geboren worden wäre“. (15)

Das ist der Mann, den sie jetzt zu einem Helden machen wollen. Wenn Menschen vor der Wahrheit flüchten, dann suchen sie in der Absurdität einen geeigneten Ersatz.

 

 

 

 

 

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